Flexibilität ist ein absoluter Trend – in jeder Hinsicht. Flexible Arbeitszeitmodelle sind dabei natürlich besonders gefragt. Ein fixer 9-5 Job wird vielerorts mit einem Stirnrunzeln betrachtet: das gehört zur Arbeitswelt von gestern. Viele Menschen wünschen sich die Freiheit, ihre Arbeitszeiten und auch Arbeitsort selbst auszusuchen und einzuteilen. Nicht in jedem Beruf ist das aber möglich, und nicht immer ist es zu unserem Besten. Warum ist flexibles Arbeiten trotzdem so beliebt? Und bei wem? Ist es überhaupt sinnvoll? Wie viel Freiheit beim Arbeiten tut uns wirklich gut? Das und mehr erfährt ihr im folgenden Artikel. 

Flexible Arbeitsbedingungen sind ein Trend

Manche bezeichnen es als Generationensache, für andere ist es eine logische Schlussfolgerung: Arbeiten wann und wo ich will? Fantastisch! Die Grundidee flexibler Arbeitszeiten ist eine ausgewogene “Work-Life-Balance”. Dieser abgedroschene und doch allseits gegenwärtige Begriff ist für viele Arbeitende ein erstrebenswertes Ideal. Das Privatleben darf nicht zu kurz kommen, dennoch sollten genug finanzielle Mittel vorhanden sein, um sich die eigenen Wünsche zu erfüllen.

In gewisser Weise ist hier ein Generationentrend zu beobachten. Arbeitende über 40 haben ihre Arbeit als wichtigen Selbstidentifikationsfaktor kennengelernt und nehmen sie auch so wahr. Job und Stellung sind wichtig und nicht nur Mittel zum Zweck. Menschen zwischen 20 und 35 Jahren sehen ihre Arbeit zwar auch nicht als reines Mittel zum Zweck, identifizieren sich allerdings nicht so stark mit ihrem Job wie ältere Arbeitende. Für sie steht außerdem im Mittelpunkt, eine Arbeit mit “echtem Sinn” zu erfüllen, der oft persönlicher Natur ist. Und, wie erwartet: die Work-Life-Balance muss stimmen, das “Ich” im Mittelpunkt stehen. Das ist nicht egoistischer Natur, sondern eine stark ausgeprägte Form der Selbstachtung. Loyalität einem bestimmten Unternehmen gegenüber ist hierbei oft nicht besonders wichtig, sollten die eigenen Wünsche zu kurz kommen. Das macht junge Menschen sehr empfänglich für hohe Flexibilität bei der Arbeit.

Wir versuchen hiermit nicht, Behauptungen über Individuen aufzustellen, sondern berichten lediglich über beobachtbare Tendenzen bestimmter Altersgruppen zur einen oder anderen Einstellung. Jede und jeder ist einzigartig und sowohl junge als auch ältere Menschen können sich der einen oder anderen Einstellung gegenüber zugehörig fühlen. 

Zusätzlich muss erwähnt werden, dass Flexibilität in der Arbeitszeit nicht nur Alters- oder Generationenursachen hat. Auch die Digitalisierung und damit einhergehende Verfügbarkeit spielen eine immens große Rolle. Durch das Internet und die Möglichkeit, an jedem Ort zu jeder Zeit miteinander verbunden zu sein und kommunizieren zu können, sind wir in der Lage, auch nicht mehr zur selben Zeit am selben Ort sein zu müssen. Und genau diese Entwicklung macht flexible Arbeitszeiten oder Konzepte wie Home Office und Co-Working Spaces überhaupt erst möglich. 

Ist flexibel immer besser?

Wenn wir von dem zeitlichen Aspekt einmal absehen, stellt sich die Frage, wie viel besser flexibles Arbeiten ist. Die glamorisierte und idealisierte Vorstellung vom Arbeiten im Park oder zuhause auf der Couch mag verlockend sein, bringt aber gewisse, vor allem gesundheitliche, Risiken mit sich. 

Nicht umsonst werben ergonomische Firmen auch mit dem Thema eines ergonomischen Homeoffice, da genau das eigene Zuhause oft zur Gefahr für unseren Rücken wird. Dass Unternehmen mehr und mehr in ausgeklügelte und ergonomische Office Systeme investieren, ist kein Zufall. Langes Sitzen am Stück, geschweige denn stundenlanges Liegen mit verdrehter Wirbelsäule, macht uns auf Dauer krank und kann zu chronischen Schmerzen oder sogar Bandscheibenvorfällen führen. Genau deshalb ist es so wichtig, ein Homeoffice ergonomisch einzurichten. Da reichen Esstisch und Couch oft nicht aus. 

Flexible Arbeitsorte

Arbeiten, wo man will: Zuhause, im Kaffeehaus oder sogar im Auto. Auch wenn es verlockend scheint, so eignet sich nicht jeder Ort gleich gut, um Büroarbeit zu erledigen. Meist geschieht das außerdem, wenn nicht stationär an einem Computer, sondern an einem mobilen Laptop gearbeitet wird. Das führt schnell zu Muskel- und Nackenschmerzen. Auch die Wirbelsäule wird falsch belastet, wenn wir uns nicht in einer ergonomischen Umgebung befinden. Gerade deshalb ist es wichtig zu bedenken, dass Flexibilität nicht immer das beste für unsere körperliche Gesundheit bedeutet. Die beliebtesten flexiblen Arbeitsorte wollen wir hier kurz näher erklären.

Home Office

Das Homeoffice gehört in jedem Fall zu dieser Thematik. Für viele ist es der Inbegriff der Flexibilität beim Arbeiten. Ein Homeoffice zwar ebenso an Rechte & Pflichten gebunden wie ein Unternehmensbüro, bringt aber dennoch mehr Freiheiten und meist auch Gemütlichkeit mit sich. Zu seinen Hauptvorteilen zählt vor allem die Eignung für Familien. Zuhause zu arbeiten bedeutet für viele auch, mit Kindern oder pflegebedürftigen Erwachsenen zuhause und verfügbar zu sein. Außerdem ermöglicht das Homeoffice, für weit entfernte Unternehmen zu arbeiten, ohne lange pendeln zu müssen. Verkehr und Staus wird aus dem Weg gegangen. 

flexibles arbeiten heißt für viele im home office arbeiten

Nachteile des Homeoffice können beispielsweise zu große Ablenkung oder Gesundheitsrisiken sein. Nicht jeder kann sich ein voll ergonomisch ausgestattetes Büro im eigenen Zuhause einrichten. Wenn möglich, sollte als Minimum zumindest in einen höhenverstellbaren Schreibtisch investiert werden: zum einen, um sich gesundheitlich zu schützen, zum anderen, um auch Arbeit effektiv vom Privaten zu trennen. Weitere Tipps zur erfolgreichen Gestaltung deines Homeoffice findest du hier.

Co-Working Spaces

Auch Co-Working Spaces haben wir bereits auf unserem Blog vorgestellt. Du kannst den Artikel hier lesen. Im Prinzip sind Co-Working Spaces groß und kreativ angelegte Arbeitsbereiche, an denen man für ein Tages-, Stunden- oder auch Jahresentgelt Arbeitsplätze “mieten” kann. Somit entsteht eine Zusammenkunft von vielen verschiedenen Arbeitenden, was zu spannenden und bereichernden Erfahrungen für die Beteiligten führen kann. 

Co-Working Spaces sind insofern beliebt, als es sie an verschiedensten Orten auf der Welt zu finden gibt, was sie extrem flexibel macht. Auch sind sie oft unterhaltsamer und kommunikativer aufgebaut als herkömmlich konservative Büros.

co-working spaces flexibles arbeiten

Desk-Sharing

Desk-Sharing ist ein umstrittenes flexibles Arbeitsmodell. Es beschreibt, wie der englische Name aussagt, dass Arbeitsplätze geteilt werden. Die Idee entstand deshalb, weil es durch diverse Meetings und Urlaubstage der Arbeitenden in vielen Unternehmen zu dauerhaft unbelegten Büros oder Schreibtischen kam. Mit dem Desk-Sharing gibt es somit weniger Arbeitsplätze in einem Unternehmen als Mitarbeiter, dafür werden sie effizient genutzt. Kritik an diesem Modell bezieht sich vor allem darauf, dass man kaum noch Privatsphäre kennt und sich nicht an seinem eigenen Platz “niederlassen” kann. Mehr dazu kannst du in unserem Artikel über das Desk-Sharing lesen! 

Der Park, der Bahnhof, das Auto, das Café…

Auch an jedem anderen beliebigen Ort kann theoretisch gearbeitet werden. Wer wirklich flexibel sein will, der arbeitet einfach dann, wenn ihm oder ihr der Sinn danach steht. Was hierbei stets eine Rolle spielt, ist, dass man nicht zu lange am Stück auf ganz und gar nicht ergonomischen Sitzmöglichkeiten sitzen bleibt. Arbeitsorte wie Parks oder Cafés stellen eine tolle Abwechslung dar, eigenen sich aber nur bedingt als dauerhafte Arbeitsplätze.

Flexible Arbeitszeitmodelle

Arbeiten, wann man will. Ein Traum für viele. Ja, Gleitzeit kennen wir mittlerweile alle. Sie ist ein ansprechendes Zeitmodell, mittlerweile allerdings in etwa so modern wie ein Faxgerät. Selbst die konservativsten Unternehmen, zu deren Stärken die Flexibilität sicherlich nicht zählt, bieten das Gleitzeitmodell meist schon standardmäßig an. In diesem Artikel wollen wir euch allerdings auch ein paar andere Modelle vorstellen, die es ebenso mit der Flexibilität aufnehmen – manche von ihnen sind nämlich noch viel flexibler, als ihr es vermutlich bisher gehört habt!  

Gleitzeit

Das Gleitzeitmodell ist das wohl bekannteste flexible Arbeitszeitmodell. Stellt man sich die Flexibilität als Skala vor, so ist die Gleitzeit jedoch gar nicht sonderlich flexibel im Gegensatz zu anderen Konzepten. Gleitzeit beschreibt die Idee, dass die Arbeitszeiten rund um eine Kernarbeitszeit herum selbst bestimmt werden darf. Das bedeutet, dass die Mitarbeitenden in einem Unternehmen mit einer Kernarbeitszeit von 10 bis 15 Uhr sowohl von 7 Uhr 30 bis 15 Uhr 30 arbeiten könnten als auch von 10 bis 18 Uhr. Wichtig ist, dass am Ende des Tages die Stunden stimmen. Das Gleitzeitmodell funktioniert nicht für alle Arten von Unternehmen. Gerade in Firmen mit fixen Öffnungszeiten können viele sich nicht aussuchen, wann sie kommen oder nach Hause gehen. 

Dennoch ist das Modell sehr beliebt und oft gut umsetzbar. So bekommen die Frühaufsteher als auch die gemütlichen Langschläfer das, was sie brauchen um bei der Arbeit möglichst effizient und gut arbeiten zu können.

Vertrauensarbeitszeit

Die Vertrauensarbeitszeit ist auf der Flexibilitätsskala ganz weit oben. Gerade deswegen sehen sie viele als riskant, gar unsinnig an. Die Idee dahinter ist, dass es überhaupt keine vereinbarten Arbeitszeiten gibt. Es wird lediglich erwartet, dass Aufträge zeitnah erfüllt werden. In welcher Zeit das geschieht, spielt dabei keine Rolle. Auch die Entlohnung erfolgt nicht basierend auf Zeit sondern auf Basis erbrachter Arbeit. Arbeitet man in solch einem Modell, hat man die ultimative Freiheit, sich die Arbeit einzuteilen wie man möchte. 

Job Sharing

Wie der Begriff selbst erklärt, liegt hier der Gedanke vor, dass derselbe Job von mehreren Personen geteilt wird. Anders als bei der Teilzeitarbeit kann mit dem Job Sharing viel mehr bewältigt werden. Ein und dieselbe Rolle wird wirklich geteilt und gemeinsam ge-managed. Bei der Teilzeit liegen vielleicht ähnliche Arbeitszeiten vor, aber der oder die Arbeitende muss in wenig Zeit eine Rolle allein bewältigen und kann somit niemals so effizient vorankommen wie ein “Team” aus zwei Personen, die flexibel denselben Job machen.

Abrufarbeit

Abrufarbeit ist etwas bekannter. Sie bezieht sich darauf, dass der oder die Arbeitende überhaupt nicht fix angestellt ist, sondern nur auf Abruf bei Bedarf bereitsteht. Für die meisten ist das aber keine langfristige Lösung, um finanziell zurechtzukommen. Trotzdem ist die Methode gerade unter den Arbeitgebenden sehr beliebt, weil sie stark kosteneffizient ist. Hier liegt der Vorteil der Flexibilität vor allem bei den Unternehmen und nicht bei den Arbeitenden selbst. 

Schichtarbeit

Schichtarbeit soll flexibel sein? Hear us out! Schichtarbeit wird vor allem dann flexibel und attraktiv, wenn es sich einrichten lässt, Schichten im Voraus selbst auszusuchen oder im Bedarfsfall mit anderen zu tauschen. Nachtschichten werden außerdem meist höher bezahlt, was sie zwar für Arbeitgebende nicht ideal macht, dafür aber ArbeitnehmerInnen einen weiteren Ansporn gibt. 

Wer profitiert von flexiblen Arbeitszeiten?

Die naheliegende Antwort liegt auf der Hand: natürlich die Arbeitnehmenden. Doch auch Arbeitgebende können davon profitieren! Oben erwähnte Modelle wie Arbeit auf Abruf oder das Job Sharing bergen große Vorteile für UnternehmerInnen was Effizienz oder auch Kosten betrifft.

Die Relevanz des Themas flexibler Arbeitsmodelle ist außerdem nicht zu unterschätzen. Abgesehen davon, dass freie Arbeitszeitwahl mehr gefragt ist, laufen auch die Entwicklungen darauf hin. Das heißt, dass auch jene Unternehmen, die vielleicht nicht viel von den flexiblen Arbeitszeitmodellen halten, sie in gewisser Weise doch annehmen oder sich anpassen müssen.

Der Arbeitsmarkt ändert sich und die Arbeitskräfte sind geprägt von starken Anforderungen an mehr Freiheit und Flexibilität beim Arbeiten. 

Vor- und Nachteile flexibler Arbeitszeiten

Auch wenn wir die Modelle und Möglichkeiten nun kennen – sind sie nun eine gute Idee? Sagen wir es so: Die Flexibilität nimmt uns nicht die Möglichkeit, auch ganz konservativ in unserem fixen Zeitfenster zu arbeiten. Auch wenn sich moderne Zeitmodelle noch weiter entwickeln und weiter durchsetzen werden, so ersetzen sie wohl noch lange nicht die fixen Arbeitszeiten, die derzeit noch Standard sind. Somit könnte man sagen, dass der größte Vorteil in der Existenz flexibler Arbeitszeiten darin liegt, dass man mehr und mehr die Wahl hat, sich die Art und Weise auszusuchen, auf die man arbeitet.

Nachteile von zu hoher Flexibilität können in jedem Fall zu Leistungsverlust führen. Werden wir zu bequem oder zu sehr abgelenkt, leidet das Ergebnis unserer Arbeit früher oder später darunter. Ein gutes Verhältnis zwischen flexibler und teils gebundener Arbeitszeiten scheint oft als die beste Lösung.

flexibles arbeiten von zuhause kann vor und nachteile haben

Wie auch oftmals erwähnt, so spielt auch der flexible Arbeitsort eine wichtige Rolle. Wenn wir täglich von der Couch aus arbeiten, schlägt das auf die Gesundheit. So gemütlich und stressfrei es auch sein mag, so dürfen wir die Vorteile ergonomischer Büros nicht unterschätzen. Auch hier wird sich im Bereich Home Offices oder Co-Working Spaces noch einiges in die richtige Richtung bewegen, damit auch flexibles Arbeiten von jedem Ort gesundheitlich unbedenklich wird.

Wie viel Freiheit tut uns gut?

Das schöne an der Freiheit ist, dass wir sie frei aussuchen können. Wir können nicht sagen, ob nun so oder doch so viel Flexibilität die richtige Wahl für jemanden ist. Fest steht, dass allein die Option von flexibleren Arbeitszeiten und -orten eine schöne Sache ist, da sich ja auch unsere Lebensumstände immer wieder ändern und jede Person eigene Bedürfnisse zu decken hat – sei es ein bestimmtes Hobby, eine eigene Familie, das Kümmern um andere Menschen und vieles Andere. Mit mehr Flexibilität öffnen sich mehr Möglichkeiten, das (Arbeits-)Leben individueller zu gestalten.

Und das ist in der Tat fantastisch!

Quellen und weitere Ressourcen

https://www.tandemploy.com/de/blog/jobsharing-was-ist-das/

https://www.derstandard.at/story/2000083845371/die-wichtigsten-arbeitszeitmodelle-im-ueberblick

https://onlinemarketing.de/jobs/artikel/flexible-arbeitsplaetze-unser-ruecken-leidet

https://arbeits-abc.de/wunsch-arbeitsplatz-der-generation-y/

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