Wer kennt es nicht? Nach einem langen Tag im Büro, den du hauptsächlich im Sitzen verbracht hast, kommst du nach Hause und willst einfach nur die Füße hochlegen. Du fühlst dich nicht nur mental erschöpft vom vielen Denken und Stress, sondern auch körperlich völlig ausgelaugt. Aber warum? Du warst doch den ganzen Tag entspannt am Sitzen… 

Ein Monat ist vergangen. Du reibst dir während der Arbeit jetzt öfter den Nacken oder stehst auf, um dir in den Rücken zu fassen und dich nach hinten zu strecken. Abends findest du keine gemütliche Position auf dem Sofa, weil es nach wenigen Minuten immer anfängt, irgendwo zu schmerzen. Willkommen in der Welt der chronischen Rückenschmerzen!

In unserem neuen Blogpost als Fortsetzung zu unserem ersten Artikel über Bandscheiben klären wir darüber auf, wie Rückenschmerzen mit Ergonomie zusammenhängen, wie die Gesetze lauten, und was ihr ergonomisch konkret tun könnt, um Verspannungen und Schmerzen den Kampf anzusagen – präventiv und auch nach einem Rückenproblem oder Bandscheibenvorfall!

Inhaltsverzeichnis

Warum kommt es zu Rückenschmerzen?

Grundsätzlich beginnen Schmerzen dort, wo unsere Nerven beansprucht werden. Da die Wirbelsäule das Rückenmark im Wirbelkanal schützt und somit beinahe einen Mittelpunkt des Nervensystems bildet, sind hier eine unzählige Menge an Nervensträngen zu finden. Nicht umsonst also kommt es gerade zu Schmerzen um die Wirbelsäule herum. Bei Muskelverspannungen drücken Muskeln auf einen Nerv, bei einem Bandscheibenvorfall drückt die Kernflüssigkeit der Bandscheibe auf einen Nerv, und so weiter. 

rückenschmerzen kommen oft durch falsche haltung, zu langes sitzen, oder zu wenig bewegung

Gerade wenn es um die Bandscheibe geht, ist Bewegung für Schmerzprävention besonders wichtig, denn Bandscheiben benötigen eine ständige Be- und Entlastung um vom Körper versorgt zu werden. Genauere Infos dazu und zu Bandscheibenvorfällen findest du in unserem Blogpost über die Bandscheiben. Besonders Lendenwirbelsäule und Nackenbereich sind häufig betroffen. Wieso? Diese beiden Bereiche sind der stärksten Belastung, vor allem beim Sitzen, ausgesetzt. 

Auch Muskelverspannungen können starke Beschwerden hervorrufen. Sie passieren durch lange oder falsche Belastung, verkrampfen, und drücken dann auf die umliegenden Nerven. Auch hier ist meist der Rücken betroffen, der von den Risiken des Sitzens stark betroffen ist.

Bandscheibenvorfälle und Ergonomie

Der DAK report 2019 zeigt, dass probleme mit dem rücken die hauptursache für kranketage waren
Quelle: AU-Daten der DAK-Gesundheit 2018

Der Hauptgrund für Krankentage in Deutschland sind Beschwerden des Bewegungsapparates – darunter hauptsächlich Rückenschmerzen, meist sogar chronische Beschwerden. Auch früher Rentenbeginn, bzw. Pensionsantritt, ist meistens Rückenbeschwerden zuzuschreiben. Volkswirtschaftlich gesehen kostet das die Wirtschaft jährlich immense Summen in Millionenhöhe. Trotzdem hat die Wirtschaft derzeit noch nicht erkannt, dass ergonomische Präventionsmaßnahmen der Schlüssel zur Besserung sind.

Auch unabhängig von ergonomischen Produkten wird unsere Gesellschaft weiter “sesshaft” und bewegt sich immer weniger. Auch das wirkt sich auf unsere Rückengesundheit aus. Die Antwort auf das Problem ist eine Besserung durch mehr integrierte Ergonomie im (Arbeits-)Alltag. 

Ergonomie am Arbeitsplatz gegen Rückenprobleme

Das Ziel der Ergonomie ist es, den Menschen mit seiner Arbeitsumgebung in Einklang zu bringen und für Wohlbefinden und Gesundheit zu sorgen. Gerade in dieser Zeit, in der wir Menschen vermehrt im Sitzen arbeiten, schafft die Ergonomie einen Ausgleich und beugt nachhaltigen Schäden am Körper vor – insbesondere an der Wirbelsäule, die am stärksten von Gefahren des Sitzens betroffen ist. 

ergonomie am arbeitsplatz schützt den rücken und die bandscheiben und sorgt für mehr wohlbefinden

Merkmale eines ergonomischen Arbeitsplatzes

Wie sieht so ein ergonomischer Arbeitsplatz nun eigentlich aus? In unserem Blogartikel über Sitzen und Stehen im Büro haben wir dieses Thema ausführlich aufgegriffen und aufbereitet.  Es ist wichtig zu erwähnen, dass es keinen ‘standardisierten’ ergonomischen Arbeitsplatz gibt. Anpassbarkeit und Einstellbarkeit haben aber die höchste Priorität, vor allem bei Produkten, die unmittelbar mit unserer Körperhaltung zusammenhängen. Kurz gesagt jedoch kann man die wichtigsten Merkmale eines ergonomischen Arbeitsplatzes (nach unserem Verständnis) wie folgt zusammenfassen, geordnet nach ihrer Wichtigkeit.

Die Vorteile eines ergonomischen Schreibtisches für den Rücken und die Bandscheiben

höhenverstellbarer Schreibtisch ist ein essentieller Teil eines ergonomischen Arbeitsplatzes

Warum ist der Sitz-Steh-Schreibtisch laut so vielen Meinungen das wichtigste Kernstück eines ergonomischen Arbeitsplatzes? Ergonomische Büromöbel für den Arbeitsplatz erfordern einerseits Bewegung durch ihre Anpassungsfähigkeit und fördern andererseits damit die richtige Haltung.

Ein Sitz-Steh-Tisch ist also die optimale Lösung, um die benötigte Be- und Entlastung im Wechselspiel für die Bandscheiben zu gewährleisten, weil man den Körper eben immer wieder in Bewegung bringt.

Natürlich können Bandscheibenvorfälle auch anderweitig und letzten Endes durch starke Abnutzung immer passieren. Auch höhenverstellbare Schreibtische können einen kaputten Rücken nicht heilen. Wer sich aber bestmöglich schützen möchte, der greift auf einen beweglichen und anpassbaren Arbeitsplatz zurück, in erster Linie auf einen Tisch an dem man sowohl sitzend als auch stehend arbeiten kann

Die Vorteile eines ergonomischen Bürostuhls für den Rücken und die Bandscheiben

Selbst wenn nun ein höhenverstellbarer Schreibtisch nicht im Stehen benutzt wird, so ist es immer noch essentiell, dass die Haltung im Sitzen optimiert wird. Die richtige Sitzposition kann den Rücken schonen, wenn auch einstweiliges Aufstehen die bessere Lösung ist. 

Wird die Wirbelsäule im Sitzen richtig geformt und in der Haltung gut gestützt, erfahren die Bandscheiben keine Überlastung; der Abnutzungseffekt bleibt gering. Auch Arme und damit die Schulter-, Nacken- und Halsbelastung können von einem anpassbaren Bürostuhl optimal aufgegriffen werden und dadurch die Brust- und Halswirbelsäule schonen.

Außerdem schützt ein guter Bürostuhl auch die Lendenwirbelsäule enorm. Ein vielfach einstellbarer Stuhl zahlt sich also allemal aus und ist notwendig, um einen höhenverstellbaren Schreibtisch sinnvoll zu ergänzen. 

Lindert ein ergonomischer Arbeitsplatz Rückenschmerzen?

Bisher haben wir davon gesprochen, was man tun kann, um Rückenschmerzen möglichst zu vermeiden. Was aber, wenn man bereits an chronischen Schmerzen leidet? Kann ein ergonomischer Arbeitsplatz Abhilfe verschaffen? 

ein ergonomischer arbeitsplatz lindert rückenschmerzen und nackenschmerzen

Soviel steht fest: ergonomische Büromöbel können keine Verletzungen heilen. Es ist wahr, dass ergonomische Produkte zum Großteil darauf abzielen, die Gesundheit nachhaltig zu schützen und Risiken vorzubeugen. Das bedeutet aber nicht, dass ein Umstieg auf Ergonomie nach Verletzungen oder chronischen Beschwerden keine Wirkung erzielen kann. 

Arbeitsplatz nach einem Bandscheibenvorfall – was nun?

Auch eine verletzte Wirbelsäule braucht, um wieder möglichst gesund zu arbeiten, die richtige Haltung. Diese wird durch einstellbare Büromöbel gewährleistet. Nach einem Bandscheibenvorfall ist Bewegung besonders wichtig. Das kannst du anhand eines Sitz-Steh-Schreibtisches sehr einfach in deinen Alltag integrieren. Zusätzlich kannst du für das Stehen eine Art Stehhilfe oder Stehhocker besorgen. Damit entlastest du deine noch sehr empfindliche Wirbelsäule sogar im Stehen noch ein wenig mehr. Spätestens jede Stunde solltest du Positionen wechseln. Achte außerdem darauf – und das wirst du von deinem behandelnden Arzt oder Ärztin sicherlich ohnehin wissen – nichts Schweres zu heben oder tragen. Das gilt auch für Papierstöße oder schwere Akten im Büro. Auch Bücken kann anfangs noch gefährlich sein. Bitte bei heruntergefallenen Gegenständen oder Kabelsteckern am Boden Kolleginnen und Kollegen um Hilfe. 

Zusätzlich solltest du in jedem Fall bis zur fast völligen Schmerzfreiheit und Heilung nicht auf eine Physiotherapie und regelmäßige medizinische Massagen verzichten (in Absprache mit deinem behandelnden Arzt oder deiner behandelnden Ärztin).

Gesetzliche Pflichten zur Gestaltung eines gesunden Arbeitsplatzes

Was sagt eigentlich das Gesetz zur Gestaltung des Büroarbeitsplatzes? Spielt Ergonomie darin überhaupt eine Rolle? Wir haben Gesetzestexte gewälzt und versucht, euch einen guten Überblick über die Pflichten der Arbeitgeber zur Gestaltung eines gesunden Arbeitsplatzes zu geben. Spoiler-Alert: Wir von Yaasa sind mit den Anforderungen nicht zufrieden.

Österreich

Auf der Seite der österreichischen Arbeiterkammer findet man zum Arbeitsschutz unter anderem folgende Kategorie: Die Ausstattung von Bildschirmarbeitsplätzen. Wir haben uns hineingelesen.

Gesetzesgrundlagen bilden § 67 ArbeitnehmerInnenschutzgesetz (ASchG) und die Bildschirmarbeitsverordnung  (BS-V). Die Österreichische Arbeiterkammer hat Potenzial, so viel steht fest. Sowohl ergonomische Bürostühle als auch höhenverstellbare Schreibtische werden empfohlen, sind aber nicht verpflichtend zu verwenden. Auch wird ihnen kaum signifikante Wirksamkeit zugeschrieben. Stattdessen ist die Rede davon, Fußstützen einzusetzen, sollte ein guter Winkel (von etwa 90 Grad) zwischen Füßen und Boden nicht erreicht werden. Anstatt das Problem aus der Perspektive des Schreibtisches anzusprechen, fügt man stattdessen eine eigentlich nicht notwendige Fußstütze hinzu.

Die Regelungen zur Arbeitsplatz in Österreich sind, wenn auch nicht ausreichend, unserer Meinung nach in Ordnung.

Man sieht also, dass Ergonomie zwar einen leisen Einzug im Gesetz hält, aber noch weit davon entfernt ist, ein ständiger Bestandteil in Büros zu sein. Zurückblickend auf unsere Auflistung (siehe Merkmale eines ergonomischen Arbeitsplatzes) so gibt die Arbeiterkammer lediglich an, dass “der Arbeitgeber auf die ergonomische Gestaltung [von Bildschirmarbeitsplätzen] Rücksicht nehmen” muss. Für einen Bürostuhl ist das detailreich ausgeführt. Er muss

  • über eine einstellbare Sitzhöhe 
  • eine anpassbare Rückenlehne
  • und mindestens fünf Berührungspunkte zum Boden inklusive Rollen aufweisen.

Nicht einmal Armlehnen sind gesetzlich notwendig. Wir von Yaasa finden, dass das viel zu wenig ist. Gesundes Sitzen erfordert noch mehr Einstellmöglichkeiten und um ein Vielfaches mehr Komfort. 

Bezüglich des Schreibtisches wird zwar empfohlen, einen höhenverstellbaren Tisch einzusetzen, wobei hier nicht weiter darauf eingegangen wird, weshalb: die Abwechslung zwischen Sitzen und Stehen und die damit einhergehende fortwährende Bewegung im Arbeitsalltag. Die Arbeiterkammer gibt zusätzlich noch Tipps zu Bildschirm, Tastatur und Maus bei der Bildschirmarbeit.

Deutschland

Die Regelungen in Deutschland scheinen nicht ausreichend zu sein.

Die Lage in Deutschland beruht auf der Bildschirmarbeitsverordnung (BildscharbV) in der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV). Anforderungen an Schreibtische und Bürostühle sind hier noch weniger ausgeführt und auf ergonomischen Prinzipien beruhend als in Österreich: der Arbeitstisch muss lediglich genug Fläche aufweisen, um eine “flexible Aufteilung der Arbeitsmittel” zu ermöglichen. Von Ergonomie und Haltung ist in dieser Verordnung nichts zu finden. Auch beim Bürostuhl gibt es nicht viel mehr Regeln. Zwar wird erwähnt, dass der Stuhl “eine ergonomische Gestaltung” aufweisen und “standfest sein” soll, jedoch fehlt jegliche Regelung zu Anpassbarkeit. Interessanterweise empfiehlt auch Deutschland den Einsatz einer Fußstütze bei nicht möglicher gesunder Arbeitshaltung.

Dafür legt Deutschland neben Geräten, Tastaturen und Maus sogar Richtlinien für das Zusammenspiel zwischen Mensch und Software fest, um hier für einen problemlosen Umgang zu sorgen.

Schweiz

Bewegungsförderung wird im Schweizer Arbeitsgesetz besonders groß geschrieben (Wegleitung zur Verordnung 3 zum Arbeitsgesetz, 2. Kapitel, 3. Abschnitt, Artikel 23 und 24). Als Schweizer Ergonomie-Unternehmen überrascht uns das nicht sonderlich! 😉 

Ergonomische Anforderungen sind in Artikel 23 allgemein beschrieben (ergonomische Grundsätze) und in Artikel 24 in besonderen Anforderungen weiter ausgeführt. Aufgrund der Häufigkeit von muskuloskelettalen Erkrankungen wird Ergonomie am Arbeitsplatz als notwendig beschrieben. Die Frage ist nur, wie führt die Schweiz nun den Begriff Ergonomie im Gesetz aus? Wieder betrachten wir Schreibtisch und Bürostuhl.

Gesetzlich erforderlich ist ein höhenverstellbarer Schreibtisch zwar nicht, allerdings wird im Schweizer Gesetztestext extensiv beschrieben, welche Vorteile der Wechsel zwischen Arbeiten im Sitzen und Stehen haben kann. Ergonomie und Gesundheit haben den höchsten Stellenwert in jeder Regelung.

Bei statischer Ausstattung empfiehlt die Schweiz sogar als Ausweg zusätzlich zum Sitz-Tisch ein angrenzendes Stehpult zu verwenden, um auf diese Weise zu wechseln und sich zu bewegen. Für höhenverstellbare Schreibtische legt die Schweiz eine Mindest-Verstellbarkeit zwischen 62 und 125cm fest. 

Auch wenn es Luft nach oben gibt, so schneidet die Schweiz in diesem Punkt für uns am besten ab.

Wir von Yaasa sprechen unserer lieben Schweiz ein besonders großes Lob bezüglich der Fußstützen aus. Der Text erwähnt, dass Fußstützen eingesetzt werden können und sollten, wenn Personen mit den vorhandenen Büromöbeln keine ergonomische Position einnehmen können, insbesondere kleinere Personen, für die auch die niedrigste Sitzhöhe nicht ausreichend ist. Allerdings folgt folgender Kommentar über Fußstützen: 

Fussstützen schränken jedoch die Bewegungsfreiheit ein und behindern unwillkürliche Fussbewegungen, sie verstärken daher die negativen Gesundheitsfolgen von langem Sitzen.” 

Schweizer Arbeitsgesetz, Wegleitung zur Verordnung 3, Artikel 24

Und genau aus diesem Grund sind Fußstützen keine optimale ergonomische Lösung. Ein Sitz-Steh-Schreibtisch kann nicht durch Fußstützen ersetzt werden! 

Bezüglich des Sitzens gibt es eine ganze Reihe an Ausführungen. Prinzipiell müssen – ähnlich wie in Österreich – Sitzhöhe und Rückenlehne immer einstellbar, sowie fünf rollende Berührungspunkte zum Boden gegeben sein. Zusätzlich verlangt das Gesetz eine Einstellung der Sitzrichtung (ähnlich der Sitztiefe) und bei Feinarbeit-Arbeitsplätzen zusätzlich Armlehnen, bzw. Armstützen. Das Gesetz lautet hier also ähnlich wie in Österreich.

Bezuschussung und Kostenerstattung für ergonomische Bürostühle oder Schreibtische

Sowohl in Deutschland, Österreich, als auch der Schweiz stößt man nach intensiver Recherche über dieses Thema vor allem auf eine Annahme: 

Ergonomischer Arbeitsplatz = Ergonomischer Bürostuhl. Das ist nicht richtig. 

Das “Problem” beginnt insofern hier, als es gar nicht zur Diskussion steht, dass höhenverstellbare Schreibtische einen notwendigen Bestandteil ergonomischer Büros darstellen. Dabei ist ganz klar, dass ständiges Sitzen – und wenn man noch so ergonomisch optimal in Position ist – sich negativ auf den Rücken und die allgemeine Gesundheit auswirkt. Richtiges Sitzen ist nur dann sinnvoll, wenn es als Ergänzung zu regelmäßiger Bewegung geschieht – Bewegung, die beispielsweise durch wiederkehrendes (Auf)Stehen am Schreibtisch passiert.

Trotz dieser unverbesserlichen Annahme, dass ein ergonomischer Bürostuhl allein einen Arbeitsplatz “ergonomisieren” kann, haben wir die wichtigsten Infos zu Kostenerstattung und Bezuschussung für ergonomische Büromöbel durch den Arbeitgeber für euch hier zusammengefasst:

Österreich

In Österreich kann man auf Bezuschussung für ergonomische Büromöbel im Krankheitsfall nur zählen, wenn es sich bei dem Leiden um eine Berufskrankheit oder einen Arbeitsunfall handelt. Berufskrankheiten sind laut österreichischer Arbeiterkammer als solche definiert, die “chronisch und eindeutig auf die Arbeitstätigkeit zurückzuführen sind”. Wenn man sich nun beispielsweise einen Bandscheibenvorfall ansieht, wird es hier schwierig. 

Anders als bei einer ‘typischen’ Berufserkrankung, wie z.B. einer sogenannten Staublunge verursacht durch starken und fortwährenden Kontakt mit Staub oder Schadstoffen, ist ein Rückenleiden nicht immer eindeutig allein auf sitzende Tätigkeit zurückzuführen. Es ist somit auch nicht auf der Liste der offiziellen Berufskrankheiten in Österreich zu finden. Nicht zuletzt wenig Bewegung und Sitzen in der Freizeit stellen hier ein Problem dar, um das Sitzen am Arbeitsplatz mit der Wirbelsäulenverletzung zu verknüpfen. Es heißt, dass “für Bandscheibenvorfälle eine Leistung nur erbracht wird, wenn sie durch direkte mechanische Einwirkung auf die Wirbelsäule entstanden sind und es sich nicht um eine Verschlimmerung von vor dem Unfall bestandenen Krankheitserscheinungen handelt.” Damit kann das Gesetz also stets argumentieren, dass der Vorfall auf selbstverschuldeten oder altersbedingten Verschleiß zurückzuführen ist.

Letztendlich bleibt immer die Möglichkeit, mit guten Argumenten beim oder bei der Arbeitgebenden persönlich anzufragen. Am Ende des Tages ist es ja auch immer in deren Interesse, für die Gesundheit und das damit einhergehende Wohlergehen der Mitarbeitenden zu sorgen, um effiziente Arbeit zu gewährleisten.

In unserem vergangenen Blogartikel zu Definition, Ursachen und Risiken von Bandscheibenvorfällen ist zu lesen, dass die Hauptursache für einen Bandscheibenvorfall genetische Veranlagung ist, der zweitwichtigste Faktor der Verschleiß. Aber eben dieser Verschleiß wird um ein immenses Vielfaches beschleunigt, wenn man lange Zeiten am Stück sitzt. Es bleibt zu hoffen, dass Arbeiterkammern und -vereine auch Bandscheibenvorfälle eindeutig als Resultat des Verschleiß durch Sitzen erkennen. Somit könnte die derzeitige Definition einer Berufskrankheit problemlos auch Rückenbeschwerden und starke Verletzungen der Hals- und Lendenwirbelsäule beinhalten. 

Deutschland

In Deutschland sind die Möglichkeiten für eine Bezuschussung oder gar eine Kostenerstattung ergonomischer Büromöbel weitaus vielfältiger. Wenn es die Erhaltung der Arbeitsfähigkeit und des Arbeitsplatzes erfordert, oder Versicherte im Rahmen einer Therapie und Rehabilitation es verordnet bekommen, so kann ein Antrag auf Kostenerstattung für ergonomische Büromöbel gestellt werden. Ob es sich um eine volle Kostenerstattung oder lediglich eine Bezuschussung handelt, hängt dann situationsbedingt von der Entscheidung der Kostenträger ab.

Die Förderung solcher Kostenteilhabe ist eine gesetzliche Forderung an die soziale Sicherung der Menschen in Deutschland. Diese Kostenübernahmen sind dazu da, um zu verhindern, dass Rehabilitierende weniger erwerbsfähig werden oder sie durch ihre Rehabilitationsansprüche beruflich ausgegliedert werden, bzw. auch, um schlimme Vorfälle bei bereits bekannter Beeinträchtigung zu verhindern. Einer der Hauptkostenträger in vielen Fällen, die deutsche Rentenversicherung, erklärt den Auftrag dieser Regelung folgendermaßen:

“Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben (LTA) sind ein unverzichtbares Instrument zur dauerhaften Eingliederung von Menschen mit chronischen Krankheiten oder Behinderungen in das Erwerbsleben. Das Rahmenkonzept ist darauf ausgerichtet, Leistungen zur Teilhabe ergebnisorientiert und bedarfsgerecht weiterzuentwickeln, deren Qualität und Wirksamkeit zu verbessern. Es dient als gemeinsame Grundlage für die Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben, sowohl für die Rentenversicherung als Rehabilitationsträger als auch für alle Leistungserbringer und Kooperationspartner. Die hier gegebenen Impulse werden die Qualität der beruflichen Rehabilitation in Zukunft positiv prägen.”

Deutsche Rentenversicherung

Wie kann man einen Antrag stellen?

Anträge kann man mit Hilfe fertiger Formulare der deutschen Rentenversicherung stellen – sowohl auf medizinische Behandlungen, als auch auf berufsbezogene Leistungen (wie eben ergonomische Büromöbel). Wie man dabei vorgeht, wird Schritt für Schritt auf der Website erklärt. 

Schweiz

Die Möglichkeiten und Regeln in der Schweiz ähneln jenen in Österreich. Über Bezuschussung und Kostenerstattung zu Bürostühlen und -schreibtischen findet man wenig einfach zugängliche Anlaufstellen oder Informationsportale. Auch hier wird wieder auf die Definition eines Arbeitsunfalles oder einer Berufskrankheit hingewiesen, welche im Falle eines Bandscheibenvorfalls oder chronischer Rückenschmerzen beide schwierig als relevante Fälle zu vertreten sind. Nur bei Arbeitsunfällen werden Kosten für die zum Wiedereinstieg benötigten Anschaffungen übernommen. Bei einem Krankheitsfall kann es sein, dass die Versicherten dennoch einen Selbstbehalt zahlen müssen.

Was kann man zusätzlich gegen Rückenschmerzen und Bandscheibenvorfälle tun?

Dehnen

Eine der naheliegendsten Lösungen ist das Dehnen der schmerzenden Körperstelle. Wir Menschen machen das auch oft intuitiv, wenn wir uns nach langem Sitzen strecken und biegen wollen. Gezielte Dehnübungen für bestimmte Körperstellen wie Nacken, Schultern, oberer und unterer Rücken, etc., findet man an unzähligen Orten im Internet. Wir empfehlen, sich vor allem an Videos zu orientieren, da die Bewegungen hier auch sichtbar und perfekt zum Nachmachen ausgeführt werden. Auch Stretching- und Fitnesskurse in der Gegend könnten ein angenehmer und wohltuender Ausgleich zum sitzenden Alltag und zur Vorbeugung von Rückenbeschwerden sein.

dehnen hilft gegen rückenbeschwerden und bandscheibenvorfälle

Bewegung

Bewegung ist das A und O für einen gesunden Rücken. Nichts beugt Rückenschmerzen und Verletzungen der Wirbelsäule besser vor, als zumindest leicht aktiv zu sein. Wenn das berufsbedingt zeitlich nicht möglich ist (oder auch Sportbegeisterung fehlt), so bieten ergonomische Schreibtische die ideale Möglichkeit, Bewegung in den Arbeitsalltag zu inkorporieren. 

Von all den Faktoren, die die Rückengesundheit beeinflussen, ist Bewegung ohne Ausnahme der allerwichtigste. Auf Bewegung sollte niemand verzichten, der auch im höheren Alter mobil und schmerzfrei leben möchte. 

bewegung ist die wichtigste und effektivste Maßnahme gegen Rückenbeschwerden

Die richtige Matratze

Nur allzu oft vergessen wir, dass die Art und Weise, wie wir schlafen, eine immense Auswirkung auf unsere Rückengesundheit hat. Die richtige Matratze unterstützt unsere Wirbelsäule optimal (hier ist auch der passende Härtegrad abhängig von unserem Körpergewicht sehr wichtig!) und das richtige Kissen schützt unsere Halswirbelsäule und den Nacken. 

Nicht zuletzt deshalb hat Yaasa Gründer Johannes Sauer Yaasa Studios in Kalifornien gegründet. Yaasa Studios stellt Anpassbarkeit bei Schlafsystemen – ganz so wie Yaasa in Europa beim Arbeitsplatz – in den Mittelpunkt.

die richtige matratze ist wichtig für einen gesunden rücken

Gesunde und ausgewogene Ernährung

Eine gesunde Ernährung ist in jederlei Hinsicht eine positive Sache. Nicht nur der Rücken sondern der gesamte Körper kann von ausgewogener Nahrung profitieren. In Bezug auf die Wirbelsäule spielt die Ernährung vor allem in Zusammenhang mit dem Körpergewicht eine signifikante Rolle. Übergewicht kann schnell zu Schmerzen in Gelenken und der Wirbelsäule führen, da der Körper nicht dazu gemacht ist, dauerhaft hohe Last zu tragen.

eine gesunde ernährung fördert die gesundheit und beugt auch rückenschmerzen vor

Meditation

In sich zu gehen ist der Schlüssel zur Zufriedenheit. Nicht zuletzt spielt unsere mentale Gesundheit eine essentielle Rolle dabei, wie gut wir unseren Alltag meistern können. Selbst die beste körperliche Gesundheit kann ein gesundes und aktives Mindset nicht ersetzen. Meditation, Selbstreflexion oder Gebet – je nachdem, womit man sich am besten identifizieren kann – sind also unerlässlich, um sich am Ende des Tages durch und durch wohlzufühlen.

Meditation fördert die allgemeine Gesundheit und das Wohlbefinden

Quellen und Zusätzliche Ressourcen:

https://www.dak.de/dak/download/dak-gesundheitsreport-2019-sucht-pdf-2073718.pdf

https://www.arbeiterkammer.at/beratung/ArbeitundGesundheit/Bildschirmarbeit/Ausstattung_von_Bildschirmarbeitsplaetzen.html

https://www.arbeitsschutzgesetz.org/bildscharbv/#Eine_flexible_Arbeitsumgebung

https://www.seco.admin.ch/seco/de/home/Arbeit/Arbeitsbedingungen/gesundheitsschutz-am-arbeitsplatz/Ergonomie.html

https://www.arbeiterkammer.at/beratung/ArbeitundGesundheit/gesetzlichegrundlagen/Berufskrankheit.html

https://www.auva.at/cdscontent/load?contentid=10008.541831&version=1407486165

https://www.diepresse.com/5270001/bandscheibenvorfall-nach-sturz-unfallversicherung-muss-nicht-zahlen

https://www.ch.ch/de/unfall-was-ist-mit-meiner-arbeit/

https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19810038/201709010000/832.20.pdf

https://www.srf.ch/sendungen/kassensturz-espresso/unfall-oder-krankheit-das-gilt-neu-im-unfallversicherungsgesetz

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