Jeder erreicht einmal die Phase, in der er eine Auszeit vom Job braucht. Zwei Wochen Urlaub reichen jedoch oft nicht aus, um sich vollständig zu erholen oder persönliche Ziele, die man sich gesetzt hat, zu erreichen. Ein Sabbatical ist die perfekte Lösung, denn es bietet die Möglichkeit einer längeren beruflichen Auszeit, in der man sich voll und ganz auf sich selbst und die eigenen Anliegen konzentrieren kann. 

Was ist ein Sabbatical?

Sabbatical steht für eine Freistellung von der Arbeit, die drei bis zwölf Monate lang sein kann. Die Idee stammt ursprünglich aus den USA, wird aber auch in Europa zunehmend beliebter. Grundsätzlich kann ein Sabbatical als ein langer Urlaub gesehen werden, der zur Verwirklichung von privaten und/oder beruflichen Zielen dient. 

Obwohl es sich um eine monatelange Auszeit handelt, bleibt man während des Sabbaticals weiter beim Unternehmen angestellt und hat somit während des gesamten Zeitraums eine Sozialversicherung. Darüber hinaus kehrt man danach in den meisten Fällen wieder an die gleiche Position im Unternehmen zurück, was für Angestellte eine gewisse Sicherheit darstellt. 

Weswegen ist eine lange Auszeit wichtig?

Es gibt unterschiedlichste Gründe, weswegen man ein Sabbatical in Betracht ziehen kann. Diese können entweder persönlicher oder beruflicher Natur sein. Das Besondere an einem Sabbatical ist, dass der Grund jedoch nicht relevant ist. Das steht z.B. im Gegensatz zur Bildungskarenz, bei der man eine Aus- oder Weiterbildung absolvieren muss. 

Persönliche Gründe

Ist man aufgrund des Umfangs der Arbeit und der großen Verantwortung überfordert, kann es zu einem Burn-out-Syndrom kommen. Die Gefahr einer emotionalen und körperlichen Erschöpfung sollte nicht unterschätzt werden. Ein Sabbatical kann dazu verhelfen, Abstand vom Arbeitsalltag zu gewinnen, sich psychisch sowie physisch zu erholen und Energie zu tanken.

Darüber hinaus sind anspruchsvolle Jobs mit vielen Verpflichtungen verbunden, weswegen die Work-Life-Balance beeinträchtigt werden kann. Wenn neben der Arbeit nur wenig Freizeit bleibt und man nicht ausreichend Zeit für eigene Interessen oder Hobbys hat, sollte man über eine längere Auszeit nachdenken, um die Work-Life-Balance wiederherzustellen. Eine schlechte oder nicht existierende Work-Life-Balance kann darüber hinaus dazu führen, dass man ungenügend Zeit für die Familie hat. Während eines Sabbaticals kann man sich voll und ganz der Erziehung der Kinder widmen oder auch für pflegebedürftige Angehörige sorgen.

Viele nutzen die Freistellung auch, um eine Weltreise zu machen. Dabei kann es sich um die Erkundung neuer Länder und Kulturen handeln oder auch um die Teilnahme an ehrenamtlichen Projekten, z.B. durch ein Volontariat. Dadurch erhält man nicht nur Abstand zum Alltag und zu seinem Beruf, sondern sammelt auch wertvolle neue Erfahrungen und tut gleichzeitig etwas Gutes.

Berufliche Gründe

Wenn das Berufsleben stagniert und man das Gefühl hat, nicht weiterzukommen, kann sich ein Sabbatical durchaus lohnen. Es kann dazu dienen, sich beruflich weiterzuentwickeln und somit seine Karriere zu fördern. Beispielsweise kann man die neu gewonnene Freizeit dazu nutzen, um eine Weiterbildung zu machen oder eine begonnene Ausbildung abzuschließen. Außerdem kann man in dieser Zeit neue Sachen ausprobieren oder versuchen, seine Hobbys oder Leidenschaften zum Beruf zu machen.

Während des Sabbaticals kann man darüber hinaus nach Perspektiven und Möglichkeiten suchen, um sich beruflich neu zu orientieren. Diese Möglichkeit kann in Betracht gezogen werden, wenn man mit seinem Job nicht mehr zufrieden ist und nach neuen Herausforderungen strebt. Vielleicht gelingt es dir ja, deine Hobbys in deinen neuen Beruf umzusetzen.

Rechtsgrundlagen für das Sabbatical

Im Gegensatz zum Urlaub besteht grundsätzlich kein Rechtsanspruch auf ein Sabbatical. Das bedeutet, dass es lediglich von der Vereinbarung mit dem Arbeitgebenden abhängt, ob man eine längere Auszeit in Form eines Sabbaticals nutzen kann. Bevor man jedoch ein Sabbatical beantragt, sollte man prüfen, ob die jeweiligen Voraussetzungen erfüllt sind. Beispielsweise gilt die Regelung, dass man mindestens sechs Monate im Unternehmen beschäftigt sein muss, um ein Sabbatical beanspruchen zu können. Außerdem ist zu erwähnen, dass Unternehmen mit bis zu 15 Arbeitskräften in den meisten Fällen keiner längeren Freistellungen zustimmen können.

Allerdings besteht eine Ausnahme für bestimmte Berufsgruppen, wie Beamte oder Angestellte im öffentlichen Dienst. Diese haben einen gesetzlichen Anspruch auf ein Sabbatical und es ist geläufig, davon Gebrauch zu machen. Auf der anderen Seite werden bestimmte Beschäftigtengruppen davon ausgeschlossen, wie es Führungskräfte oder befristete Beschäftigte sind. 

Es hängt einzig und allein von den Vorgesetzten ab, ob du ein Sabbatical nutzen kannst. Deswegen musst du sie mit guten Argumenten davon überzeugen.

Bezahlung während der Auszeit

Wie die Bezahlung während des Sabbaticals gestaltet wird, hängt von der Abmachung zwischen Arbeitnehmenden und Arbeitgebenden ab. Es gibt mehrere Finanzierungsmodelle, die dafür sorgen, dass du auch während deiner Auszeit ausreichend finanziell versorgt bist. Zwei Varianten werden jedoch am häufigsten genutzt – das Ansparmodell und die Reduktion des Entgeltes. Es ist ebenfalls üblich, beide zu kombinieren. 

Ansparen von Zeitguthaben

Beim Ansparmodell handelt es sich um die Ansparung von Mehrleistungen, wie es Überstunden sind. Während des Sabbaticals werden diese Überstunden dann abgebaut, im Grunde genommen handelt es sich also um einen verschobenen Zeitausgleich. 

Dabei sollte jedoch beachtet werden, dass die maximalen Arbeitszeiten, die gesetzlich festgelegt sind, nicht überschritten werden. Laut Arbeitszeitgesetz darf die Höchstgrenze von 10 Stunden täglich und 60 Stunden wöchentlich nicht überstiegen werden. Deshalb ist es empfehlenswert, schon früh damit anzufangen, Überstunden zu sammeln und dies über einen längeren Zeitraum zu machen. Das Modell des Ansparens von Zeitguthaben eignet sich vor allem dann, wenn man kürzere Auszeiten plant, z.B. ein Kurz-Sabbatical von drei Monaten.

Reduktion des Entgeltes

Im Gegensatz zum Ansparen von Zeitguthaben werden bei diesem Modell nicht Überstunden angespart, sondern das Entgelt. Im Grunde genommen funktioniert das, indem man eine bestimmte Zeit lang für die gleiche Arbeitsleistung nur einen Teil des Gehaltes bekommt. Der Rest wird dann während des Sabbaticals ausgezahlt.

Beispielsweise besteht die Möglichkeit, weiterhin Vollzeit zu arbeiten und nur ein Teilzeit-Gehalt zu beziehen. Darüber hinaus können auch Sonderzahlungen, wie es das 13. und 14. Monatsgehalt sind, auf dem Sabbatical-Konto angespart werden. Diese Finanzierungsform ist vor allem für längere Auszeiten, wie es ein Sabbatjahr ist, vorteilhaft. 

Vorbereitung und Planung

Ein Sabbatical klingt sehr verlockend, jedoch darf man den Aufwand, der mit seiner Planung und Organisation verbunden ist, nicht unterschätzen. Zunächst sollte man sich darüber Gedanken machen, was man während dieser Zeit konkret unternehmen will und seine Ziele formulieren. Wenn man einen Überblick über die Ziele und Aufgaben hat, die man während des Sabbaticals erfüllen will, kann man auch die dafür benötigte Zeit besser einschätzen. Reichen ein paar Monate aus oder brauchst du ein ganzes Jahr?

Bevor du jedoch deine Weltreise organisierst oder dich für eine Weiterbildung anmeldest, solltest du mit deinen Vorgesetztn sprechen. Dafür ist es wichtig, gute Argumente sowie einen ausgearbeiteten Plan vorzubereiten, um deine Arbeitgebenden vom Sabbatical überzeugen zu können. 

Hast du eine Zusage von den Vorgesetzten bekommen, solltest du damit anfangen, dein Sabbatical im Detail zu planen. Wichtig ist, dass du alle Informationen, die mit deinem Vorhaben während der Auszeit zusammenhängen, rechtzeitig sammelst und Deadlines festlegst, bis zu denen du bestimmte Aufgaben erledigen musst. 

Vorteile

Eine längere berufliche Auszeit bringt viele Vorteile mit sich. Man kann sich endlich so viel Zeit wie nötig für seine Interessen und persönliche Anliegen nehmen – egal, ob es sich um mehr Zeit mit der Familie oder eine lang ersehnte Reise handelt. Das Wichtigste an einem Sabbatical ist jedoch, dass man seine Routine aufbricht und sich von der Arbeit erholt. Ein Sabbatical kann beispielsweise eine Präventionsmaßnahme für das Burn-out-Syndrom sein. Wenn man etwas Abstand gewonnen hat und ausreichend Energie getankt hat, kann man wesentlich motivierter in das Arbeitsleben zurückkehren. 

Außerdem bietet das Sabbatical die Möglichkeit, sich beruflich neu zu orientieren oder zusätzliche Fähigkeiten und Kenntnisse zu erlangen. Beispielsweise kann man sein Studium abschließen oder im Ausland eine neue Sprache lernen. Eine solche längere Auszeit bietet nämlich die einmalige Möglichkeit, Erfahrungen auch außerhalb des beruflichen Alltags zu sammeln.

Unternehmen können ebenfalls vom Sabbatical ihrer Angestellten profitieren. Diese erlangen währen ihrer Freistellung z.B. neues Wissen und kehren erholt, mit voller Energie und hoher Motivation wieder an den Arbeitsplatz zurück, was ihre Leistungsfähigkeit erhöht. Darüber hinaus tragen Sabbaticals zur Mitarbeiterzufriedenheit bei: wenn Angestellten die Möglichkeit einer längeren Auszeit gegeben wird, entwickeln sie eine positive Einstellung zum Unternehmen und bleiben dem Unternehmen auch länger erhalten. Außerdem können solche Maßnahmen das Unternehmen für neue Bewerber attraktiver machen.

Ein Sabbatical bringt auch Vorteile für das Unternehmen – die Angestellten kehren mit neuen Erfahrungen und voller Energie wieder an ihren Arbeitsplatz zurück.

Nachteile

Ein Sabbatical ist oft mit Unsicherheit verbunden. Häufig stellt man sich die Frage, wie der Wiedereinstig in das Unternehmen gelingen wird, wenn man mehrere Monate nicht anwesend war. Durch die längere Abwesenheit ist man nämlich nicht mehr up-to-date im in seinem Arbeitsbereich und verpasst mögliche Änderungen im Unternehmen. Erfahrungen zeigen aber, dass der Wiedereinstieg beim Großteil der Mitarbeiter leicht und unkompliziert verläuft. 

Darüber hinaus braucht es viel Organisation und Planung, um ein Sabbatical zu bewerkstelligen. Während der Vorbereitungsphase muss man, sofern man die Ansparvariante als Finanzierungsmodell gewählt hat, einiges an Mehrarbeit leisten, was zur zusätzlichen Belastung führen kann. Entscheidet man sich für das Modell der Reduktion des Entgeltes, muss man eine Zeit lang mit finanziellen Einbußen rechnen. 

Vor allem für die Arbeitgebenden können durch das Sabbatical mehrere Nachteile entstehen. Wenn Angestellte eine längere Auszeit nehmen, muss das Unternehmen für diese Zeit einen Ersatz finden. Deswegen solltest du dir von vornherein darüber Gedanken machen, damit du deinem Arbeitgeber bereits eine Vertretung vorschlagen kannst.  

Wie überzeuge ich meine Arbeitgeber?

Da grundsätzlich kein Rechtsanspruch auf ein Sabbatical besteht und du deshalb eine Zustimmung deiner Vorgesetzten benötigst, musst du sie mit guten Argumenten davon überzeugen können. Erkläre ihnen, was ein Sabbatical ist und wofür du diese Zeit konkret nutzen möchtest. Wenn deine Erholung im Mittelpunkt steht oder du persönlichen Interessen nachgehen willst, kannst du die Funktion des Sabbaticals als Vorbeugung von Burn-out nennen. Außerdem kannst du deinen Arbeitgebenden erklären, wie eine solche Auszeit zu deiner Motivation beitragen kann und du danach mit mehr Energie in den Arbeitsalltag zurückkehren kannst.

Sind die Gründe für deine Auszeit beruflicher Natur, kannst du die Vorteile, die das Unternehmen durch deine Aus- oder Weiterbildung erlangt, hervorheben. Bereite Argumente vor, mit denen du deinen Arbeitgebenden zeigst, wie und inwieweit du deine neuen Fähigkeiten und Kenntnisse zum Nutzen des Unternehmens einsetzen kannst.

Achte darauf, deinen Vorgesetzten ebenfalls einen konkreten Plan vorzulegen, in dem du unter anderem die Dauer deiner Auszeit bestimmst, sowie die Vorbereitungsphase schilderst. Du kannst bereits Vorschläge für deine Vertretung einbringen oder erklären, welches Finanzierungsmodell sich am besten eignen würde. 

Du solltest genug Zeit einplanen, um deine Vorgesetzten über das Sabbatical zu informieren. Außerdem musst du bereit sein, Kompromisse einzugehen.

Nach dem Sabbatical

Viele berichten über ihre positiven Erfahrungen, die sie während des Sabbaticals gesammelt haben. Ein Sabbatical ermöglicht es nicht nur, die eigenen Träume im Sinne von beruflicher oder persönlicher Weiterentwicklung zu verwirklichen, sondern auch Abstand vom Alltag und der gewohnten Routine zu gewinnen. 

Nach einer solchen Auszeit, während der man wieder Energie tanken konnte, kann man voller Elan und Motivation wieder in den Berufsalltag starten. Außerdem ist man stolz, diesen Schritt gewagt zu haben und seine eigenen Wünsche endlich erfüllt zu haben. Ein Sabbatical kann zur positiven Veränderung des eigenen Lebens beitragen: egal, ob in der beruflichen oder privaten Sphäre.

Quellen und weitere Ressourcen

https://www.oesterreich.gv.at/lexicon/S/Seite.990097.html

https://www.finanz.at/arbeitnehmer/sabbatical/

https://www.focus.de/finanzen/praxistipps/sabbatical-so-zahlt-ihr-arbeitgeber_id_7369564.html

https://anwaltauskunft.de/magazin/beruf/angestellt/sabbatical-antworten-auf-die-wichtigsten-rechtsfragen

https://idw-online.de/de/news676446