Sitzen ist die Norm. Das lernen wir spätestens im Alter von 6 Jahren, wenn wir das erste Mal ein Klassenzimmer betreten und einen Sitzplatz zugewiesen bekommen. Ab dem Moment heißt es dann: „Bitte stillsitzen und Ruhe geben!“ Kinder, die das nicht aushalten, werden schnell als Zappelphilipp abgestempelt und für ihre Unruhe gerügt. Dabei handeln genau diese Kinder intuitiv richtig. Denn langes Sitzen ist weder für den Körper, noch die Konzentration sinnvoll.

Durchschnittlich sitzen deutsche Erwachsene ganze 7 Stunden pro Tag. Und das nicht aus Bequemlichkeit oder gar Faulheit. Immerhin gehört die Arbeit zum Alltag und will erledigt werden. Und das passiert in Zeiten der Digitalisierung immer öfter sitzend.

Dass viel Sitzen nicht gesund ist, ist weitgehend bekannt. Dementsprechend sind inzwischen fast alle Arbeitsplätze nach den Prinzipien der Ergonomie ausgestattet. Das ist jedoch nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Denn auch wer ergonomisch korrekt sitzt, sitzt letztendlich ungesund. Warum erklären wir dir anhand von 5 Punkten.

1. Sitzen macht dick.

Leicht hat man es nicht. Während man in der Kindheit und Jugend noch die Zeit und Energie hat, um Sport zu treiben, wird es mit dem ersten richtigen Job auf einmal schwer. Ob man den Wecker früher stellt, um vor dem Büro noch Yoga zu machen, oder nach der Arbeit noch Joggen geht: Was früher leicht war und Spaß machte, wird mit zunehmenden Alter zu einer Frage der Selbstdisziplin.

Frustrierend wird es dann, wenn man trotz gesunder Ernährung und Sport stetig zunimmt. Gewiss, zu einem Teil ist das dem Stoffwechsel geschuldet, der sich mit dem Ende unserer Teenagerjahre schlichtweg verlangsamt. Zu einem anderen Teil jedoch auch unserem Lebensstil. Während in der Schulzeit und in Studienjahren noch genug Bewegung stattfindet, zwängen wir uns heute in Bürosessel und an den Schreibtisch. 8 Stunden am Tag, 40 Stunden in der Woche. Einmal am Tag Sport machen, um dann den Rest des Tages zu sitzen, gleicht somit in etwa einer Diät, bei der man einmal am Tag einen Apfel isst – um den Rest des Tages Kuchen zu essen. Kuchen, der nicht mal sonderlich gut schmeckt, wohlgemerkt. Klingt nach keinem guten Deal, oder?

Wer steht, verbrennt hingegen pro Stunde im Schnitt 40 Kalorien mehr als im Sitzen. Eine Zahl, die vorerst nicht nach viel klingt, sich jedoch allein schon auf die Woche gerechnet summiert. Angenommen du stehst pro Tag auch nur zwei Stunden, kommst du so immerhin schon auf 400 zusätzlich verbrannte Kalorien. Und das entspricht in etwa einem Stück Kuchen. Kuchen, den du dir dann wirklich schmecken lassen kannst. Ganz frei von Gewissensbissen.

2. Sitzen macht krank.

Stehen wirkt sich jedoch nicht nur auf das Körpergewicht positiv aus: Die Gesundheit profitiert rundum von den veränderten Arbeitsgewohnheiten.

Langes Sitzen belastet den Körper auf viele verschiedene Arten und konnte von der Wissenschaft mit etlichen Erkrankungen in Verbindung gebracht werden.

Die Sitzdauer und Sitzhäufigkeit steht so etwa im direkter Zusammenhang mit verschiedenen Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Auch ein Zusammenhang mit Diabetes und anderen Stoffwechselerkrankungen konnte hergestellt werden. Und sogar das Risiko, an Krebs zu erkranken, steigt mit der Sitzdauer.

Auch in Hinblick auf die Mortalität generell, zeichnen sich erschreckende Zahlen ab. „Wer länger sitzt ist früher tot“, titelt zum Beispiel Die Zeit und berichtet von einer amerikanischen Studie, die bei Menschen, die täglich mehr als 6 Stunden sitzen, eine 20% höhere Sterberate für Männer und 40% höhere Mortalitätsrate für Frauen, nennt.

Zahlen, die erschrecken und bei denen man zurecht am liebsten aus dem Sessel springen will.

3. Sitzen verursacht Schmerzen.

Mit ernsthaften Erkrankungen einhergehend und diesen vorausgehend sind klassische Büro-Wehwehchen. Verspannungen in Nacken, Schulter und Rücken, schmerzende Hüften – die Liste ist schier endlos. Ein ergonomisch angepasster Arbeitsplatz kann bereits einen großen Unterschied machen, aber niemals all die negativen Seiten des langen Sitzens gänzlich ausgleichen. Deutlich wird das daran, dass auch bei einer ergonomisch korrekten Sitzposition irgendwann alles unbequem wird. Man überschlägt die Beine, lehnt sich erst vor und dann zurück, beginnt zu lümmeln. Kein Wunder. Unbewusst versuchen wir den Druck, der das Sitzen auf unseren Körper ausübt, auszugleichen. Im Vergleich zum Stehen wird im Sitzen immerhin 50% mehr Druck auf die Bandscheiben ausgeübt. Lehnen wir uns im Sitzen zudem auch noch vor, haben wir es mit fast 100% mehr Druck zu tun. Was diese Belastung über Jahre hinweg für unseren Körper und somit auch für unsere Gesundheit und Wohlbefinden bedeutet, kann man sich vorstellen.

4. Sitzen macht müde und unglücklich.

Wer kennt es nicht: Man verbringt den ganzen Tag sitzend im Büro und fühlt sich abends so erschöpft, dass man sich nur noch auf die Couch legen will, um den Rest des Tages zu entspannen. Aber woher kommt diese Erschöpfung eigentlich? Tatsächlich hat sie nur zum Teil mit der faktischen Arbeit, die wir erledigen, zu tun.

Langes Sitzen bewirkt, dass unser Kreislauf auf Sparflamme läuft. Für unseren Körper ist das ein eindeutiges Signal: Zeit zum Entspannen und Schlafen. Kein Wunder also, dass wir uns nach 8 Stunden im Büro schlapp fühlen. Schon ein bisschen Bewegung regt Kreislauf und Stoffwechsel an und sorgt dafür, dass unsere Zellen besser mit Sauerstoff versorgt werden. Das Resultat? Wir fühlen uns fitter, frischer, ausgeruhter. Und: Glücklicher. Tatsächlich konnte die Wissenschaft auch eine Korrelation zwischen Bewegung und Depressionen beweisen. Eine Studie des American Journal of Preventive Medicine belegte, dass Frauen, die mehr als sieben Stunden pro Tag sitzen einem 47% höheren Risiko ausgesetzt sind, an Depressionen zu leiden, als Frauen die weniger als vier Stunden am Tag sitzen. Daraus ergibt sich mitunter ein wahrer Teufelskreis, denn depressive Verstimmungen gehen häufig mit Motivationsverlust und einem sozialen Rückzug einher – und somit auch mit noch weniger körperlicher Aktivität und Bewegung.

5. Sitzen macht unkreativ und unproduktiv.

Prokrastination ist über die letzten Jahre zum geflügelten Wort geworden. Das Wort, das gemeinhin das Aufschieben von Arbeit bezeichnet, beschreibt ein Gefühl, das nahezu jedem wohlvertraut ist. Anstatt Aufgaben konsequent zu erledigen, wird nach Ersatzhandlungen gesucht. So hat man schnell gefühlt einmal die gesamte Facebook-Timeline durchgescrollt, oder die komplette Wohnung blitzblank geputzt, um der eigentlichen Arbeit zu entgehen. Inzwischen gibt es etliche Studien, die sich mit den Ursachen des Phänomens „Prokrastination“ auseinandersetzen. Eine Ursache für Prokrastination und mangelnde Produktivität, kann das Sitzen sein. Sitzen belastet uns körperlich ebenso wie psychisch. Wir fühlen uns ausgelaugt, erschöpft und schlichtweg unwohl. Dabei ist die Lösung ist simpel: Aufstehen. Unser Körper wird entlastet, Stoffwechsel und Kreislauf werden angeregt – und auf einmal fließen auch die Ideen, die Arbeit fällt leicht und ehe man sich versieht, befindet man sich mitten im Workflow. Was sich dann auch unmittelbar auf das generelle Wohlbefinden auswirkt. Was will man mehr?

Puh. Das sitzt. Wortwörtlich. Aber keine Sorge. Du musst nicht fortan stehend arbeiten, um den ungesunden Nebeneffekten des Sitzens zu entgehen. Eigentlich gesund ist nämlich nicht das Stehen an sich, sondern die Bewegung. Das optimale Verhältnis zwischen Sitzen und Stehen entspricht in etwa 2:1. Für jede sitzende Stunde solltest du im Optimalfall eine halbe Stunde stehen. Nicht wenig, für jene, die einen ausschließlich sitzenden Arbeitstag gewohnt sind. Wir raten dazu, auf den eigenen Körper zu hören. Schleicht sich Müdigkeit ein? Steh auf! Wird das Stehen unbequem? Zeit sich hinzusetzen. So kannst du deinen Körper langsam an den neuen Arbeitsstil gewöhnen und die notwendigen Muskeln schonend trainieren.

Wer sich einmal auf diese Art gearbeitet hat, will sie nicht mehr missen und fühlt sich am klassischen Schreibtisch mehr denn je gefesselt – wir sprechen auch aus Erfahrung. Also? Tu dir was Gutes und get up, stand up!


Weiterführende Artikel:

https://www.big-direkt.de/de/ratgeber/bewegung/sitzen-zu-viel-ist-ungesund.html/
https://www.fitforfun.de/abnehmen/gesund-essen/stehen-statt-sitzen-so-verbrennen-sie-600-extrakalorien-pro-woche-162946.html/
https://www.psychologytoday.com/us/blog/minding-the-body/201403/what-sitting-does-your-psyche/
http://www.nydailynews.com/life-style/health/sitting-feel-depressed-study-article-1.1449990/
https://www.apotheken-umschau.de/Sport/So-schaedlich-ist-Sitzen-222941.html/


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